Mit Schwung die digitale Zukunft gestalten

VHS-Tag unterstreicht strategische Bedeutung der Weiterbildung

Gastbeitrag von Ernst Dieter Rossmann in dis.kurs 3/2016, S. 40-41

Der Volkshochschultag 2016 in Berlin war natürlich ein Kongress der Bestandsaufnahme und der Vergewisserung. Unsere nachhaltige Verankerung in Gesellschaft, Wissenschaft, Medien und Wirtschaft als Ergebnis guter Zusammenarbeit ist auf dem Volkshochschultag an vielen Stellen deutlich geworden. In der Zahl der nationalen und internationalen Gäste. In der Expertise und der Qualität der Referentinnen und Referenten. Und im Engagement an den Ständen, in den Foren und Laboratorien. Darauf dürfen wir stolz sein. Nicht zuletzt haben herausragende Persönlichkeiten der Politik aus Bund, Ländern und Kommunen den Volkshochschulen die Wertschätzung entgegengebracht, die wir, ganz selbstbewusst gesagt, auch ehrlich verdienen.

Bundespräsident Joachim Gauck hob in einer sehr empathischen, auch sehr persönlichen Weise den Wert der Volkshochschule als freiheitliche, demokratisch prägende und gestaltende Bildungseinrichtung hervor. Die Bundesbildungsministerin Dr. Johanna Wanka würdigte in ihrer Grundsatzrede den Beitrag der Volkshochschulen zur Zukunftsagenda Weiterbildung. Und sie stellte im Bereich der Sprachförderung ganz konkret das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 20 Millionen Euro geförderte Programm „Einstieg Deutsch“ vor. Auch die Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles war Gast des Volkshochschultages und erläuterte ihr neues Konzept, die Arbeitsmarktgesetze stärker auf die Förderung der beruflichen Weiterbildung hin auszurichten. Der Bundesminister für wirtschaftliche Zusammenarbeit Dr. Gerd Müller wiederum betonte die Bedeutung von Entwicklungskooperation und Bildungsarbeit im Kontext der Sozialstrukturförderung.

Der Volkshochschultag 2016 ist vor allen Dingen aber auch ein Kongress des Aufbruchs gewesen. Wir haben mit unseren Gästen zusammen in die Zukunft geschaut: Was bedeutet der digitale Wandel für die Erwachsenenbildung? Welche Rolle spielen die Volkshochschulen zukünftig in der „digitalisierten“ Gesellschaft? Wie sind wir auf den Wandel hin zu neuen Kommunikations-, Lern- und Arbeitsformen vorbereitet? Als Volkshochschulen gehen wir an diese Fragen mit Kompetenz, klaren Werten und praxisnaher Orientierung heran. Das Digitale ist für uns kein Wert an sich und kein Selbstzweck. Es ersetzt nicht unser Bildungskonzept, sondern erweitert das Lernen an den Volkshochschulen. In diesem Sinne wollen und werden wir unseren Beitrag zu neuen „Erweiterten Lernwelten“ leisten. Und das mit ganz konkreten Aufgabenstellungen. Dies ist die wichtige Botschaft des Kongresses.

„Erweiterte Lernwelten“ schaffen

Schauen wir nach innen, so wird es in der strategischen Entwicklung der Volkshochschulen darum gehen müssen, die digitalen Kompetenzen aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu fördern und weiter zu entwickeln. Nur so können wir die Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Integration neuer Lernsettings in die Bildungspraxis gelingen kann. Dabei sollten wir unseren Blick immer auch über unseren unmittelbaren Horizont hinaus richten. Eine Kooperation mit wichtigen Partnern, auch außerhalb Deutschlands, die vor ähnlichen Herausforderungen stehen, kann hier nur hilfreich sein. Beim Volkshochschultag hat sich dies nicht nur im Austausch mit unseren Kollegen vom Verband österreichischer Volkshochschulen gezeigt, mit dem wir eine besonders enge Freundschaft und Partnerschaft pflegen. Eine gemeinsame Infrastruktur deutschsprachiger Länder über eine „Bildungscloud“, die es erlaubt, Inhalte gemeinsam zu nutzen, ist zurzeit gewiss nur eine Idee. Aber ohne Ziele kein Weg. Wir arbeiten auch an Visionen.

Schauen wir nach außen auf unsere Rolle in der „digitalisierten“ Gesellschaft, so bleibt unsere zentrale VHS-Aufgabe, Menschen so zu qualifizieren und zu bilden, dass ihnen umfassende Teilhabe im Sinne eines ganzheitlichen und demokratischen Bildungsverständnisses möglich ist. Erweiterung und Weiterentwicklung der Programmangebote in allen Bereichen ist hier die Aufgabe. Die Stärkung politischer Partizipationsfähigkeit und kritischer Medienkompetenz ist hier das Ziel. Gleichzeitig müssen Volkshochschulen Raum bieten für neue Formen von Begegnung und Diskurs. Dabei können Volkshochschulen ihre gute Vernetzung in den Kommunen nutzen. Wenn jetzt zunehmend Digitalisierungsstrategien in Städten und Regionen entwickelt werden, sollten wir als klassischer Träger von Weiterbildung in öffentlicher Verantwortung und als Partner in den Kommunen innovativ dabei sein.

Kein Erfolg ohne Unterstützung der öffentlichen Hand

Die Qualifizierungsoffensive für Kursleitende und Bildungsmanager, die Vertiefung der Angebote in den „Erweiterten Lernwelten“, die Vernetzung mit anderen Bildungseinrichtungen und der Arbeitswelt und die Schaffung von modernen flächendeckenden Infrastrukturen – all das benötigt jedoch nicht allein Anstrengungen von Seiten der Volkshochschulen, sondern auch die Unterstützung der öffentlichen Hand. Ohne die wird keine Bildungsinitiative für die digitale Wissensgesellschaft von morgen erfolgreich sein. Die Ankündigungen in der digitalen Agenda der Bundesregierung und der Länder müssen jetzt mit Nachdruck verfolgt und umgesetzt werden.

„Jetzt, wo es um die Digitalisierung geht, müssen die Volkshochschulen ganz vorne marschieren.“ Dieser Satz ist in der Vorbereitung des Volkshochschultags immer wieder gefallen. Das Bild des Marschierens passt allerdings gar nicht zu den Volkshochschulen. Stattdessen sollte gelten: Volkshochschulen wollen vorneweg tanzen! Denn Tanzen macht Freude, beim Tanzen gibt es immer neue Schrittfolgen, beim Tanzen wird sich auch im Kreis gedreht. Und natürlich darf man auch mal aus der Reihe tanzen. So wollen wir in Zukunft gerne mittanzen. Der Volkshochschultag 2016 hat hierzu den nötigen Schwung gegeben.

Copyright: dis.kurs

Getagged mit: , , , , , ,
Veröffentlicht in Berlin, Rossmann überregional

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*