Rudolf Helfrich – Lebensmission Bildung

Beitrag von Ernst Dieter Rossmann aus der „Festschrift für Rudolf Helfrich“ (2019), S. 93-95:

Leider gibt es viel zu wenige Menschen, von denen sich sagen lässt: Sie haben eine Mission. Rudolf Helfrich ist ein solcher Mensch mit einer Mission. Er hat ein Lebens – Thema – die berufliche Aus- und Weiterbildung für jeden Menschen im Konkreten und die Förderung der Persönlichkeitsentwicklung durch Bildung im Allgemeinen. Er hat dieses Lebens – Thema kontinuierlich auf – und ausgebaut. Von der Bundesjugendleitung der DAG noch in den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts  (mit der ihm schon immer eigenen „Klugheit“ bei allem Streit um „Zucht und Zunder“, wie in „Die Zeit“ vom November 1981 dokumentiert ist) bis in die Mitbegründung des Bundesverbandes der Träger der beruflichen Bildung BBB und die Führung einer gemeinnützigen Bildungsstiftung. Rudolf Helfrich lebt dieses Lebens – Thema in allen Facetten – mit Haut und Haaren. Oder besser gesagt: Mit Herz und Seele. Und mit unzweifelbarer Kompetenz.

Wodurch ist diese Mission im Guten für mich kenntlich gewesen?

Rudolf Helfrich war – wie ein guter Missionar – immer zur Stelle, wenn es um die berufliche Aus- und Weiterbildung ging,  sei es in Veranstaltungen, auf Foren, bei Anhörungen. Es ist schwer vorstellbar, dass er nicht auch in Zukunft noch viele Gelegenheiten wahrnehmen wird, weiter dabei zu sein und sich aktiv zur Sache zu äußern.

Wer eine Mission nicht für sich und zum inneren Gottgefallen leben will, sondern für und mit anderen, muss Verbindungen schaffen und Verbindungen pflegen. Neudeutsch gesprochen: Er muss ein „Netzwerker“ sein. Als Bildungspolitiker wie als Verbandsvorsitzender hatte ich den leisen, aber sehr nachdrücklich gesprochenen Hinweis „Da können wir doch noch mehr machen“ bei manchen Gelegenheiten sehr wohl im Ohr.

Missionare sind von ihrem Auftrag tief überzeugt, sonst wären sie es nicht. Sie haben auch keine Probleme damit, ihre Botschaft beständig zu wiederholen und beharrlich umzusetzen. Gleichzeitig wissen sie sehr wohl, dass sich das Gewand und die Form auch ändern müssen, um  neue Aufmerksamkeit zu erzeugen und Durchschlagskraft zu entwickeln. Mit dem Deutschen Weiterbildungstag hat Rudolf Helfrich ein solches neues „Format“, um ein weiteres der „Plastik – Schlagwörter“ dieser Tage zu verwenden, entwickelt, vorangetrieben und zu seiner Sache gemacht.

Besonders anregend ist bei diesen Tagen der Weiterbildung dann für mich als deren langjähriger Begleiter immer die Auszeichnung von Vorbildern der Weiterbildung gewesen. Ein bisschen Pathos darf sein: Es ist erfüllend und erhebend, nach den anspruchsvollen Würdigungen der Laudatoren dann die ganz verschiedenen Botschafter der Weiterbildung selbst zu erleben, die dem gemeinsamen Ziel Gesicht geben – von der 85 jährigen Leiterin von Volkshochschulkursen bis zum jungen Mann im Rollstuhl, der als Reha – Fachberater und Coach andere Rollstuhlfahrer durch Weiterbildung stark machen will. Diese Verschiedenheit an Lernenden wie Lehrenden in Weiterbildung ist eine Herzensangelegenheit von Rudolf Helfrich, wie sich im Austausch danach schnell zeigte.

Es ist eine persönliche Leistung und gelebter Humanismus, sich nach vielen Jahrzehnten im Dienste der großen abstrakten Idee Aus- und Weiterbildung für alle noch das Interesse und die Freude am konkreten einzelnen Menschen und seiner Entwicklung bewahren zu können. Bei Rudolf Helfrich ist diese Freude spürbar.

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