Diskussion zu den großen Forschungsorganisationen: Die Verhandlungen zum Pakt der Pakte

Dokumentation: Ausführliche Kommentierung in sechs Punkten von Dr. Ernst Dieter Rossmann zur Diskussion um die Zukunft der vier außeruniversitären Forschungsorganisationen von Helmholtz bis Max Planck.

Den zugehörigen Artikel mit einer zusammenfassenden Darstellung der Diskussion und der Kommentierung des Vorsitzenden des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung finden Sie auf dem bildungs- und forschungspolitischen Blog von Dr. Jan-Martin Wiarda. Die 6-Punkte-Kommentierung finden Sie hier zum Download als PDF-Datei.

 

Die Verhandlungen zum Pakt der Pakte – es kommt auch auf die Haltung an.

Eine Kommentierung in sechs Punkten:

  1. Die sieben Wissenschaftspakte, die jetzt zwischen Bund und Ländern im Pakt der Pakte verhandelt werden, sind eine echte Zukunftschance für Stabilität, Dynamik und Innovation im „goldenen Viereck“ von Wissenschaft, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik. Dieses goldene Viereck muss gepflegt werden. Die Politik muss hierfür mit gutem Beispiel vorangehen.
  2. Wenn die Wissenschaftsorganisationen von Helmholtz bis Max-Planck als „ganz schön fette Katzen“ abqualifiziert werden, ist das unter Niveau. Sinnvolle Innovation lässt sich nicht mit überflüssiger Konfrontation vorantreiben. Wer im Ausland mit der exzellenten Leistungsfähigkeit unserer Wissenschaftsorganisationen und unserer Hochschulen wirbt, kann diese im Inland nicht madig machen. Wer das weltweite Interesse von höchstqualifizierten Wissenschaftlern/-innen und Forschern/-innen an unserem differenzierten System von Universitäten, Fachhochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen hochleben lässt, sollte sich im plakativen Bashing zurückhalten. Pauschalierungen sind falsch, Differenzierungen sind hilfreich.
  3. Die großen Forschungsorganisationen erbringen hervorragende Leistungen mit weltweiter Bedeutung in der Wissenschaft – von der Grundlagenforschung bis zur Anwendung. Ein Output in Richtung Wirtschaft und Gesellschaft darf nicht einseitig nur an Anwendung und Dienstleistung festgemacht werden. Transfer und Translation gehören dazu, aber sie sind nicht der alleinige Maßstab für exzellente Wissenschaft und Forschung. Deshalb: Planzahlen werden der Sache nicht gerecht. Förderkonzepte und Förderperspektiven zur Ausgründung und Anwendung können und müssen dagegen die Sache voranbringen.
  4. Einseitig kann und darf auch nicht die Ausrichtung bei der Nachfolge für die Hochschulpakte sein. „Qualität, Qualität, Qualität“ als Schlachtruf für die Stärkung der Hochschulen in Lehre und Forschung wird der Sache nicht gerecht. Wir brauchen beides, nämlich die Sicherung der Quantität und des offenen Zugangs zu den Hochschulen und gleichzeitig die Förderung der Qualität von Lehre und Forschung an den Hochschulen. Deshalb kein Schlachtruf, sondern ein gemeinsames Ziel, nämlich Sicherung der Quantität und Förderung der Qualität.
  5. Der neue Grundgesetz-Artikel 91b ermöglicht eine echte Verantwortungsgemeinschaft der Länder mit dem Bund, mit mehr Planungssicherheit für die Hochschulen, mit gezielten Förderprogrammen für die Lehre, mit neuen Anreizen für die offene Hochschule, mit Anerkennung der besonderen Forschungsaufwendungen und deren Finanzierung. Deshalb sollten sich alle Verhandlungspartner darauf einstellen: Ein Kriterium alleine zur Verteilung von zweistelligen Milliardenbeträgen wird nicht ausreichen, die Stärkung der allgemeinen Grundfinanzierung und die Impulse für gezielte Innovation zusammenzubringen. Und zu viele Kriterien können die Hochschulen und die Geldgeber in Bund und Ländern nur in den gemeinsamen Wahnsinn treiben. Gebraucht wird eine Kombination mit Augenmaß und Transparenz.
  6. Die Verhandlungen zum Pakt der Pakte, d.h. zu den sieben einzelnen Pakten, können und müssen ein tragendes Fundament für eine zukunftsfähige Zusammenarbeit von Bund und Ländern im Bereich von Wissenschaft und Forschung schaffen. Ein solches stabiles Fundament entsteht nicht, wenn die Baulasten einseitig verteilt und Bruchstellen von vornherein eingebaut werden. Verhandlungen funktionieren nicht als Diktat, sondern nur im Interessensausgleich und bei möglichst viel Übereinstimmung in den Zielen. Deshalb zuerst die Ziele, dann die Analysen der jeweiligen Möglichkeiten, dann offene Verhandlungen und dann ein gemeinsames, faires Ergebnis. Mit einseitigen harten Ansagen können große gemeinsame Aufgaben auch schnell gegen die Wand gefahren werden. Und das erst recht, wenn in zehn Monaten schon ein rundes Ergebnis vorliegen muss. Jetzt ist solides Verhandlungshandwerk gefragt.

 

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