Zwei Hochschultypen, ein Auftrag: die Zukunftsgestaltung für Deutschland. Warum das Tandem Fachhochschule und Universität so erfolgreich ist.

Festvortrag von Dr. Ernst Dieter Rossmann, MdB auf dem Jahresempfang der Fachhochschule Bielefeld am 18. September 2018:

Das ist schon eine kleine Tradition, zum Anfang des neuen Studienjahres zu einem Jahresempfang einzuladen, um die neuen Studierenden und Lehrenden zu begrüßen, sich der neuesten Entwicklungen nach einem schönen heißen Sommer zu versichern und gleichzeitig auch Kräfte zu sammeln für das neue Semester. Wenn die Fachhochschule Bielefeld dies in diesem großen Kreis mit befreundeten Vertreterinnen und Vertretern aus Hochschulen, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft und mit ihren gesellschaftlichen Partnern und Freunden tun kann, ist dies ein gutes Zeichen für die Leistungsfähigkeit, das Ansehen und die Verankerung der Fachhochschule in Stadt und Region. Ich finde es sehr schön, dass hier in guter gemeinsamer Verantwortung Volksvertreter aus Bund, Land und Stadt für diese Hochschule zusammen stehen und einstehen.

In drei Jahren, am 1.8. 2021, hat die Fachhochschule sicherlich schon ihr schönes 50-jähriges Jubiläum gefeiert. Da wird es bestimmt zahlreiche Festreden und einen gebührenden Festvortrag geben. Heute möchte ich, auch ganz in meiner Rolle als Vorsitzender des Ausschusses für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung und als sozialdemokratischer Bildungspolitiker mit 31 Jahren Parlamentserfahrung in Landtag und Bundestag, deshalb weniger einen Festvortrag halten, als einen Blick in die Werkstatt der Hochschulentwicklung in Deutschland, den sich dynamisch weiter entwickelnden Auftrag für das Hochschulwesen und einige politische Perspektiven geben.

Die Arbeit hieran beginnt schon damit, dass ich an dem mir gestellten Thema herum kritteln muss. Warum das Tandem Fachhochschule und Universität so erfolgreich ist? Tandem – das sind doch diese Fahrräder, bei denen einer vorne sitzt und lenkt und der andere fast gar nichts sehen und nur eifrig mitstrampeln kann. Sportbegeistert, wie ich bin, darf ich hier daran erinnern, dass das Tandemfahren, trotz der rasanten Geschwindigkeit von über 80 km/h auf der Bahn, seit 1972 keine olympische Sportart mehr ist. Und es auch keine Weltmeistermannschaften hierzu mehr gibt. Offensichtlich ist das selbständige Zusammenspiel der einzelnen Fahrer, jeder für sich verantwortlich, mit eigenen Ideen und aus eigener Kraft gleichwertig doch spannender, aufregender, erfolgreicher. Das sagt auch sinnbildlich etwas aus über die Beziehung von Fachhochschulen und Universitäten und lassen Sie mich die Fragestellung deshalb dahin verändern, warum die Partnerschaft von Fachhochschule und Universität so erfolgreich ist, und das strukturell, institutionell und zum gesellschaftlichen wie individuellen Nutzen. Darauf wird zurück zu kommen sein.

Dabei wissen wir doch alle: Es geht hier um die Partnerschaft von zwei Hochschulformen in der gleichen Liga, die in vielerlei Hinsicht und zunehmend mehr sehr viel Gemeinsames haben, aber eben doch auch sehr prägnante Spezifika. Sie haben jede ihre ganz eigene Geschichte, ihr ganz eigenes Profil und ihre ganz eigenen und doch auch wieder gemeinsamen Perspektiven. Diese unstatthafte Bemerkung kann ich mir an dieser Stelle als gelernter Psychologe dann doch nicht verkneifen. Dass eine solche Partnerschaft in viel Gemeinsamkeit und auch sehr gezielter Eigenständigkeit sehr fruchtbar, haltbar und belebend sein kann, kennen wir ja zum Glück und hoffentlich auch aus anderen sehr persönlichen Lebensgemeinschaften.

Universitäten und Fachhochschulen – das ist schon ein besonderes Paar. Die Universitäten sind frei nach Walter Rüegg und seiner Geschichte der Universität in Europa ein gewachsenes europäisches Weltkulturerbe, im deutschen Sprachraum, 1348 Prag, 1365 Wien und 1386 dann in Heidelberg begründet und über die 7 Jahrhunderte systematisch gepflegt, gehegt und verehrt –  die Fachhochschulen dagegen vor gerade 50 Jahren durch einen Beschluss der 11 Ministerpräsidenten in der damaligen Bundesrepublik am 5.7. 1968 bzw. am 31.10.1968 als Nachfolgeeinrichtung verschiedenster höherer Fachschulen aus der Retorte zusammengefasst, zur Hochschule aufgewertet und als „Fachhochschule“ vereinheitlicht, so das Leitwort im abschließenden Beschluss vom 31.10.1968. Die ersteren eher sehr etabliert, in den größeren Städten, mit vielen Studenten, einem breiten Kanon an Fachrichtungen, aufwendigen Ausstattungen zur Forschung in vielen Bereichen, durch besondere Forschungsleistung ausgewiesenen habilitierten Professoren und umfangreichen Personalkörpern, die letzteren auch in kleinen Städten und in der ländlichen Region, mit einer sehr weit gespannten Zahl von Studierenden, gezielten Schwerpunktsetzungen in der Forschung und einer besonderen Doppelqualifikation ihrer Professorenschaft in der Wissenschaft wie in der praktischen Berufstätigkeit außerhalb der Hochschulen und eher sehr schlanken Personalkörpern.

Tatsächlich möchte ich diesen besonderen Qualifizierungs- und Berufungsweg der Professorenschaft an Fachhochschulen als den Geniestreich hervorheben, der mit der seinerzeitigen Differenzierung der deutschen Universitätslandschaft in Universitäten und eben in Fachhochschulen erfolgt ist, und der sich bis in die Gegenwart in Studienambitionen und Studienplänen, Studienverläufen und Studienabschlüssen fortsetzt. Und der immer noch Wirkung zeigt, auch wenn sich die reine Typenlehre in den vier Dimensionen von Qualifizierung, von Bildung, von Wissenschaft und Forschung nicht mehr so strikt abbilden lässt. Was als Differenzierung im Hochschulwesen vor 50 Jahren begann, hat sich zumal in den ersten zwei Jahrzehnten dieses Jahrhunderts noch weiter entfaltet, auch weil sich manche institutionellen Strukturen in Lehre wie Forschung überlagert haben und Universitäten und Fachhochschulen sich in vielen Punkten ähnlicher geworden sind und gleichzeig sich weiter ausdifferenziert haben.

Aber der zentrale gemeinsame Auftrag bleibt und der gemeinsame Erfolg auch, – und hier werde ich etwas pathetisch – nämlich im Schutz der Freiheit von Forschung und Lehre eine wissenschaftlich ausgelegte Qualifikation, Bildung und akademische Weiterbildungsfähigkeit zu vermitteln, mit denen der Stand der Wissenschaft rezipiert und grundständige oder angewandte neue Erkenntnisse theoretisch gewonnen und in berufliche Praxis übertragen werden können. In diesem Sinne gab es vor 50 Jahren – in der ersten Transformation der deutschen Wirtschaft nach den Wachstumsjahren des Wiederaufbaus – einen großen Bedarf nach akademisch gebildetem fachpraktischem Leitungs- und Entwicklungspersonal in Betrieben, Verwaltungen und sozialen Diensten, der mit der klassischen Berufsausbildung nicht mehr zu erbringen war. Nicht umsonst gingen den einschlägigen Beschlüsse der Kultusministerkonferenz im Lichte vom Sputnik–Schock, Georg Pichts Warnungen vor der „deutschen Bildungskatastrophe“, Export–Konkurrenz und wachsendem Dienstleistungssektor intensive Demarchen von Industrie und Wirtschaft voraus, über eine Hochschule neuen Typs die akademischen Ressourcen deutlich auszuweiten und effektiv einzusetzen und damit einen strukturellen Beitrag zum Erhalt der ökonomischen Wachstumsdynamik zu leisten. Dieser ökonomische und gesellschaftliche Mehrwert war eng verknüpft mit den Bedürfnissen vieler junger bildungs- wie berufsambitionierter junger Menschen, die sich von einer anwendungsnahen zügig in die Berufspraxis führenden wissenschaftlichen Ausbildung mehr versprachen als von einem langen vorrangig theorie- und forschungsgeleiteten Studium.

Was jede gute Reform auszeichnet, darf man dem Ralf Dahrendorf in Baden–Württemberg, dem Karl Heinz Ewer in Berlin oder dem großartigen legendären Johannes Rau in Nordrhein–Westfalen dieser Zeit sehr wohl zu Gute halten: Sie brachten mit dem Aufbau eines zweiten Typus von Hochschule in Deutschland die individuellen Bedürfnisse und Nutzen für sehr viele junge Menschen mit dem ökonomischen Bedarf und Mehrwert und dem gesamtgesellschaftlichen Gewinn an einer Aufwertung des Humankapitals, sprich einer Verbreiterung der Qualifikation und des Bildungsstandes von sehr vielen Menschen zusammen. Das trägt bis heute.

Und wie: Waren 1970 rund 422.000 Menschen an den deutschen Hochschulen eingeschrieben, so waren dies 30 Jahre später 2,84 Millionen, davon 900.000 Fachhochschüler – und diese Zahl nähert sich der Millionengrenze. Gab es 1970 131 Hochschulen, so waren dies 30 Jahre später 428 und haben wir ein Verhältnis von 112 Universitäten und 222 Fachhochschulen. In Deutschland liegt eine Hochschule im Umkreis von 59 km und zwei Drittel aller Kreise haben eine Fachhochschule. Im dicht geknüpften akademischen Netz in Deutschland sind die Fachhochschulen die Hochschulen vor Ort und in der Region. Als ortsnahe und praxisorientierte Hochschulen nehmen sie mehr als die Universitäten Studieninteressierte aus bisher noch nicht hochschulaffinen Familien auf. In ihren Verwaltungs- und Sozialberufen ebnen sie auch vielen Frauen den Weg in die akademische Ausbildung und in the long run auch in klassische Männerberufe. Sie haben den Kontakt zur mittelständischen Wirtschaft in den Studienbedarfen wie in der anwendungsorientierten Wissenschaft und übernehmen die Lösung von Fragen der angewandten Forschung und des Forschungstransfers in Produkte und reale Wertschöpfung in Industrie bis hin zum Handwerk, in Dienstleistung aller Art bis hin zur Kreativwirtschaft.

Wenn der von mir eigentlich sehr geschätzte Philosoph und Sozialdemokrat Julian Nida–Rümelin unverdrossen vom Akademisierungswahn warnt, kann er die Fachhochschulen jedenfalls nicht gemeint haben, wie seine steilen Thesen zu diesem Thema wohl insgesamt auf schlecht vermessenem Gelände stehen. Wir brauchen in Deutschland und überhaupt unzweifelhaft eine Gleichwertigkeit von beruflicher im klassischen Sinne genauso wie von akademischer Bildung. Wir haben große Potentiale an Menschen, die keinen beruflichen Abschluss erreichen – immerhin über 4,5 Millionen Menschen insgesamt und rund 1,5 Millionen bis zum Alter von 30 Jahren – , denen wir hierzu den Weg bereiten müssen, auch mit einer 2., 3. und 4. Chance. Aber die intellektuellen Anforderungen an die Arbeit der Zukunft werden wachsen, im Zuge der Digitalisierung und Automatisierung bei der Entwicklung, der Steuerung und der Distribution von Produktion, in der Modernisierung der Infrastruktur und der öffentlichen Güter bei der Planung, der Einrichtung und dem Betrieb, in der sozialen Dienstleistung die ganze Lebensbiographie hindurch, in dem Niveau der Grundqualifikation und der Spezialisierung, von der frühkindlichen Pädagogik bis zur Altenpflege. Die Akademisierung solcher spezifischer Qualifikationen ist nicht aufzuhalten. Wer klug ist, stellt sich hierauf bereits jetzt ein.

Es sind die Fachhochschulen, die im Denken von Politik wie Wirtschaft hierfür strukturell prädestiniert sind und die in ihrer eigenen Hochschulplanung hierauf antizipativ eingehen. Sie sind es, die dafür sorgen werden, dass diese Zukunftsgestaltung für unser Land zusammen mit den Universitäten und ihren anders gelagerten Berufsbildungsprofilen erbracht werden kann. Der leistungsfähige Sozialstaat der Zukunft wird nur gelingen können mit Professionalität, die für Empathie Zeit gibt. Der überfällige Wandel in die Green Economy wird nur vorankommen, wenn Ingenieure aller Art bereitstehen, Grundlagenerkenntnisse zum Ressourcenschutz und zur Kreislaufwirtschaft von der Anwendungsforschung in die Praxis umzusetzen. Im Übrigen auch ganz konkret: die notwendigen Unternehmensnachfolgen in Mittelstand und Handwerk – bis 2022 allein geschätzte 150.000 Unternehmensnachfolgen – wird es nur geben, wenn auch viele Menschen aus dem Studium der Fachhochschulen heraus sich diese Führungsverantwortung zutrauen und diese übernehmen und wenn sie hierauf vorbereitet werden, selber eine Gründung zu wagen und mit neuen Ideen zu nachhaltigem Wohlstand und Beschäftigung beizutragen.

Vertreterinnen und Vertreter der Universität werden an dieser Stelle sicherlich denken, das trifft doch auch auf uns zu. So wie Vertreter der Fachhochschulen bei einem Empfang einer Universität an vielen Stellen sicherlich denken werden, dass auch über ihre Leistungen und Entwicklungen dort stillschweigend mitgesprochen wird. Deshalb hier ein klares Ja, so ist es.

Und das kann auch gar nicht anders sein, denn bei allen institutionellen Unterschieden, die bei der ersten Differenzierung und Profilierung von Universitäten und Fachhochschulen im deutschen Hochschulsystem vor 50 Jahren geschärft worden sind, hat es mit einer gewissen Zwangsläufigkeit auch wieder wechselseitige Transfers und Übernahmen von Eigenarten des jeweiligen anderen Hochschultypus gegeben. Wer am gemeinsamen Auftrag der Zukunftsgestaltung arbeitet, kann nicht borniert sein. Wer Gutes entdeckt, ist nicht daran gehindert, es bei sich selbst zu implementieren. Wo es Freiheit der Studienwahl und positiven Wettbewerb um Studenten wie Hochschulmittel wie Forschungsressourcen gibt, modernisiert jede Hochschule ihre Anschlussfähigkeit. Ein Changieren „zwischen Differenzierung und Entropie“ hat Dieter Lenzen, Präsident der Universität Hamburg, diesem Prozess attestiert.

Die Universitäten sind am Vorbild der Fachhochschulen in den letzten 50 Jahren innovativer geworden, vielfach wirtschafts- und praxisnäher, mit dualen Elementen, offen für berufliche qualifizierte, mit neuen Strukturen für einen zweigeteilten Studienaufbau. Die Fachhochschulen haben die Studienangebote differenziert und vielfach auch fächerübergreifend ausgerichtet, die Internationalität ausgebaut und die Forschungsintensität und Forschungstiefe vergrößert.

Wegmarken für diese Synchronisierung sind der Bologna–Prozess von 1999 und die Aufwertung der Zweckbestimmung im neuen Namen der Wahl, d.h. Fachhochschule/Hochschule für Angewandte Wissenschaften. Unverwechselbare Türschilder sind bis dato der unterschiedliche Karriereweg der Professoren, das eingeschränkte Recht der Promotion und die andere Ausrichtung der Forschung. Dauerhaftes Ärgernis bleiben für die Fachhochschulen/Hochschulen für Angewandte Wissenschaften der andere Aufbau des Personalkörpers und der fehlende Mittelbau, die zu hohe Lehrverpflichtung für die Professoren und der erschwerte Zugang zu Forschungsmitteln bis hin zur DFG und ihrer Universitätslastigkeit.

Hieran wird zu arbeiten sein, wenn die Partnerschaft von Fachhochschulen und Universitäten bei der Gestaltung von Zukunftsaufgaben in Deutschland weiterhin so erfolgreich bleiben soll.

Für die Hochschulen gibt es hier ein großes Feld der Kooperation, und das auf gleicher Augenhöhe. Mit gemeinsamen und aufeinander aufbauenden Studiengängen, mit Forschungskooperationen aus den jeweiligen Stärken heraus, auch unter Anbindung an die außeruniversitären Forschungsgemein-schaften, wie z.B. die Fraunhofer–Gemeinschaft, mit gemeinsamen Promotionen, mit Kooperationsplattformen, z.B. im digitalen Bereich. Hierzu ein konkreter Hinweis: Als Bildungsausschuss des Bundestages waren wir in der vorletzten Woche auf der großen GAIN–Tagung in Boston vertreten, dem German Academic International Network, mit der jährlich post docs und high potential aus den USA wieder für Deutschland zurückgewonnen werden sollen. Für mich war positiv: Die Fachhochschulen/Hochschulen für Angewandte Wissenschaft werden hier in den letzten Jahren immer offensiver vertreten und sie finden Interesse. Und das diesjährige Partnerland Hamburg präsentierte auf der Tagung sein Gemeinschaftsprojekt einer Digitalplattform „ahoi. digital“, in dem 2 Universitäten und 2 Fachhochschulen aus Hamburg vollkommen gleichberechtigt in Bildung, Forschung und Transfer zusammenarbeiten.

Solche Offenheit und solche Kooperationsbereitschaft dokumentieren den Geist der Freiheit und eigene Initiative in der Organisation in Lehre und Wissenschaft. Und diese Bereitschaft, eigene Kräfte einzusetzen, ist zugleich eine Aufforderung an die politischen Instanzen in Deutschland, die jetzt vier große Aufgaben bis zu Ihrem nächsten Jahresempfang vor der Brust haben. Ich nenne als solche vier vorrangigen Punkte:

  1. Der zeitlich befristete Hochschulpakt in Höhe von jährlich über 2 Milliarden Euro Bundesmitteln muss in eine dauerhafte Grundfinanzierung der Hochschulen überführt werden. Die Fachhochschulen haben bei der Bewältigung der fulminant gewachsenen Studienanfängerzahlen sehr viel geleistet. Sie müssen jetzt auch in der Grundfinanzierung honoriert werden.
  2. Das Sonderprogramm für die Qualität der Lehre an den Universitäten wie den Fachhochschulen ist als eigenes Programm für das große Ziel der verbesserten Lehre unbedingt weiterzuführen. Die Fachhochschulen sind seit jeher innovativ in der Lehre und Betreuung. Das muss sich jetzt auch im Transfer zwischen den beiden Hochschultypen und weiterer Innovation in der Lehre der Fachhochschulen niederschlagen können.
  3. Die Mittel von den Ländern wie vom Bund für die angewandte Forschung an den Fachhochschulen sind auszuweiten, ob über den Einstieg in eine milliardenschwere Deutsche Transgemeinschaft DTG oder über ein Aufstocken der bestehenden Fachhochschul–Forschungsprogramme, soll hierbei erst einmal zweitrangig sein – Hauptsache, es kommt mehr bei den Hochschulen für angewandte Wissenschaft an. Das jüngst aufgelegte Programm „Innovative Hochschule“, das ja Fachhochschulen/Hochschulen für angewandte Wissenschaften besonders fördern soll, ist gut, aber es reicht beileibe nicht aus.
  4. Und das ist für mich mit das Wichtigste: Es ist ein gezieltes Programm von Bund und Ländern für die Nachwuchsgewinnung von Professoren an Fachhochschulen/Hochschulen für angewandte Wissenschaft so aufzulegen, dass das einmalige Potential von eigener wissenschaftlicher und beruflicher Qualifikation in Theorie und Praxis motiviert, unterstützt und für die Fachhochschulen gewonnen werden kann. Jede sechste Professur bleibt aktuell unbesetzt. Jede neunteProfessur muss mehrfach ausgeschrieben werden. In 50 % aller Verfahren bleiben am Ende drei Bewerbungen im Verfahren übrig. 30% der Bewerbungen fehlt die Qualifikation, und zwar nicht nur die Promotion, sondern vor allem die Berufserfahrung. Wir brauchen aber diesen Nachwuchs und wir müssen alle gemeinsam dafür jetzt etwas Substantielles dafür tun, dass diese Existenzfrage für die Fachhochschulen rechtzeitig gelöst wird. Berufsbegleitende Qualifizierung, Schwerpunkt–Professuren, Career Tracks und ein Tandem–Programm sind hier die Stichworte für eine konkrete Umsetzung. Ich stehe nicht an, gerade den letzten Ansatz für besonders erfolgversprechend zu halten. Aber dies wird in der konkreten Fachdiskussion zu entscheiden sein und wir haben hier jetzt aktuell keine Ausschusssitzung des Bundestages.

Ich selbst möchte abschließend noch einen fünften Punkt dazu setzen. Wir brauchen auch mehr Internationalität an und für die Fachhochschulen. Es ist ohne Zweifel richtig, wenn wir mit Genugtuung in Deutschland registrieren, dass sich viele andere Länder, von den USA bis nach China, von afrikanischen Staaten bis in den Mittelmeerraum unser duales System in der Berufsausbildung wünschen, so schwer dieses System auch in andere Strukturen zu übertragen ist. Mit gleicher Verve und entsprechenden Mitteln beim DAAD sollten wir allerdings dafür werben, dass auch unser deutsches System der Fachhochschule in seiner qualifizierten profilierten Form in anderen Ländern an Popularität gewinnt und eine Partnerschaft von Universitäten und Fachhochschulen auch in anderen Ländern aufgebaut wird. Die German–Jordanian University in Ammann darf kein Einzelfall bleiben, ein entsprechendes Projekt in Kenia kann zu einem hochschulpolitischen Leuchtturm pro Fachhochschule im Rahmen einer umfassenden  Afrika–Strategie werden.

Wir werben für die Fachhochschulen dabei nicht aus Überheblichkeit, sondern aus der Überzeugung und dem Nachweis, dass die Partnerschaft von Fachhochschulen und Universitäten, ich wiederhole: die Partnerschaft, nicht das Tandem, aktive Zukunftsgestaltung ermöglicht. Und die brauchen wir in Europa, die brauchen wir in der Welt. Mit gut strukturierten praxisnahen Hochschulen, mit engagierten Professorinnen und Professoren und mit optimistischen zukunftsoffenen Studierenden. Ich wünsche Ihnen allen viel Glück bis zu Ihrem ersten großen Jubiläum in drei Jahren.

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