„Jede Hymne hat ihre Zeit, aus der heraus sie zu verstehen ist“

SPD-Abgeordneter Ernst Dieter Rossmann positioniert sich in der aktuellen Debatte um die Deutsche Nationalhymne:

NationalhymneWir haben ein Schleswig-Holstein-Lied (gar schrecklich in manchen Bildern und Ausdrücken und trotzdem mit unserem Bundesland positiv verbunden). Wir haben eine Nationalhymne (von Hoffmann von Fallersleben 1841 auf Helgoland gedichtet für Einigkeit und Freiheit und gegen Fürsten-Egoismus und 1922 vom ersten demokratischen Reichspräsidenten Friedrich Ebert in Deutschland als Hymne durchgesetzt) und wir haben die Europahymne als Hymne der Europäischen Union und des Europarates, instrumentalisiert durch Ludwig van Beethoven nach Friedrich Schillers „Ode an die Freude“.

Mit diesen drei Liedern können und sollten sich alle Menschen als Schleswig-Holsteiner, Deutsche und Europäer gut identifizieren können. Hymnen stiften Gemeinsamkeit, geben Gewicht, Festlichkeit und Autorität. Sie haben Geschichte und zeigen im guten Fall, dass es für jeden einzelnen Menschen mehr gibt als nur ihn selbst und seine ganz persönlichen Interessen.

Jede Hymne hat ihre Zeit, aus der heraus sie zu verstehen ist. Sie kann in einer anderen Zeit auch missbraucht werden, so wie die erste und die zweite Strophe des Deutschlandliedes von Rechtsextremisten und Nazis missbraucht wurden und werden. Diese Strophen sind mit Recht nicht mehr Teil unserer Nationalhymne und werden auch nicht als Nationalhymne gesungen.

Die dritte Strophe unserer Nationalhymne stellt „Einigkeit und Recht und Freiheit“ ins Zentrum. Das bringt Auftrag und Ziel unseres Staates auf den Punkt. Hieran muss und sollte nichts geändert werden, selbst wenn ein Text, der über 175 Jahre alt ist, aus seiner Zeit heraus Widerhaken hat. Das gilt es auszuhalten und als Anstoß zum Weiterdenken und Handeln zu nehmen, nicht dem Rumwerkeln an einer traditionsreichen Hymne, sondern in der politischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit.

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