Bei AZV-Besuch fordern SPD-Politiker Medikamenten-Rücknahmepflicht für Apotheken

„Medikamente gehören nicht in die Toilette“ – was eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist, wird längst nicht in allen Haushalten praktiziert. Das erfuhren jetzt die SPD-Politiker Ernst Dieter Rossmann MdB, Thomas Hölck MdL und Dietmar Voswinkel, Vorsitzender der SPD Holm-Hetlingen, beim Informationsbesuch beim AZV Südholstein. Für den Verband, bei dem immer auch über den Tellerrand geblickt wird, ist das ein wichtiges Zukunftsthema. Den Abwasserexperten macht dabei zu schaffen, dass medizinische Präparate und ihre Abbauprodukte von normalen kommunalen Kläranlagen nicht beseitigt werden können. SPD-Bundestagsabgeordneter Rossmann konnte im Gespräch mit Verbandsvorsteherin Christine Mesek dabei berichten, dass diese Problematik auch bereits Eingang in den Berliner Koalitionsvertrag von Union und SPD gefunden hat. „Sachgerechte Entsorgung ist an dieser Stelle das A und O, auch was den Schutz unserer Gewässerressourcen angeht. Dafür will die Bundesregierung mehr tun“, so Rossmann.

Dass die Problematik, wohin der Medizin-Abfall zu entsorgen ist, dabei für viele Verbraucher die Gretchenfrage darstellt, machte Landtagsabgeordneter Thomas Hölck deutlich: „Gerade diejenigen, bei denen aufgrund von Erkrankungen am ehesten Arzneimittelreste auflaufen, sind häufig in ihrer Mobilität eingeschränkt und auch oft nicht gut informiert.“ Hamburger Zahlen untermauern diese Aussage: Mehr als 40 Prozent der Hansestädter entsorgen mindestens einmal im Jahr ein Medikament über die Toilette, die über 60-Jährigen dabei am häufigsten.

Beim AZV setzt man deshalb auf Prävention und Information. So macht die Hetlinger Einrichtung mit einem eigenen Info-Flyer und praktischen Hinweisen auf einer Unterseite der Homepage (azv.sh/wasser-wissen/umweltschutz-im-haushalt) auf Problematik und richtige Anlaufpunkte aufmerksam. Und auch der Bund will in diesem Bereich aktiv werden. „Eine Öffentlichkeitskampagne genau zu diesem Punkt steht in der Koalitionsvereinbarung. Hier ist also Unterstützung unterwegs“, kündigt Rossmann an.

Im Kreis Pinneberg beispielsweise ist es eigentlich ganz einfach: Hier können Altmedikamente in der Restmülltonne entsorgt werden, da der Müll verbrannt und damit Schadstoffe vernichtet werden. Ein zusätzlicher Entsorgungsweg könnten auch wieder Apotheken sein. Eine Anregung, die die Politiker gerne mitnehmen. „So wie der Supermarkt, bei dem ich eine Batterie kaufe, auch zur Rücknahme verpflichtet ist, sollten die Apotheken diese Aufgabe wieder für die Medikamente übernehmen“, findet auch Rossmann. „Dort wird mit den Arzneien fachgerecht umgegangen, und zur Apotheke haben auch die Kunden den direkten und regelmäßigen Kontakt.“ Beim Abwasser von heute gehe es schließlich auch um das Trinkwasser von morgen, machte auch Voswinkel die Bedeutung des Themas deutlich. „Deshalb müssen wir Chemikalieneinträge weitestgehend vermeiden.“

Der AZV wird sich dabei auch technisch auf die neuen Herausforderungen einstellen müssen, machte Vorsteherin Mesek deutlich. An einer vierten Reinigungsstufe zur Entfernung von Mikroschadstoffen werde deshalb auf läng,ere Sicht kein Weg vorbei führen.

Davon, dass Präventionsarbeit beim AZV groß geschrieben wird, konnten sich die SPD-Politiker auch an anderer Stelle überzeugen. „Die Umweltpädagogik hat wirklich ein ganz großes Lob verdient“, stellte Rossmann fest. Er freute sich besonders, die Ausstellung zum Projekt „Perspektiven am Arbeitsmarkt mit Naturwissenschaften und Mathematik – PANaMa“ besichtigen zu können. Das Projekt hat eine Schulklasse der Anne-Frank-Gemeinschaftsschule Elmshorn gemeinsam mit Auszubildenden des AZV Südholstein umgesetzt. „Ich bin der Schule als Projekt-Schirmherr an anderer Stelle sehr verbunden. Da ist hier dann auch ein bisschen Stolz dabei“, so Rossmann. In der Ausstellung wird über die Ausbildungsberufe beim AZV Südholstein informiert. „Auch in der Nachwuchsgewinnung ist der AZV auf Zack. Es macht richtig Spaß, zu sehen, wie hier praktische Abwassertechnik, Umweltbildungsarbeit und Zukunftsplanung zusammen betrachtet und gelebt werden“, resümierten die SPD-Politiker.

Freuten sich über das gemeinsame Projekt PANaMa von AZV-Auszubildenden und Elmshorner Anne-Frank-Schülern: AZV-Vorsteherin Christine Mesek und die SPD-Politiker Ernst Dieter Rossmann, Thomas Hölck und Dietmar Voswinkel.

Freuten sich über das gemeinsame Projekt PANaMa von AZV-Auszubildenden und Elmshorner Anne-Frank-Schülern: AZV-Vorsteherin Christine Mesek und die SPD-Politiker Ernst Dieter Rossmann, Thomas Hölck und Dietmar Voswinkel.