Bildungsexperte Rossmann mahnt Vorbereitung des Grundschul-Ganztags an

Pünktlich zum Ende des Regelschuljahres gibt es für Schleswig-Holsteins Schulministerin Karin Prien (CDU) bei der Ganztagsbetreuung im Grundschulbereich schlechte Noten vom SPD-Bundestagsabgeordneten und Bildungsexperten Ernst Dieter Rossmann. „Die Ministerin muss schnellstens in die Puschen kommen, sonst kann sie die versäumte Vorbereitungszeit nicht mehr aufholen“, mahnt Rossmann. Ein Blick in den Bildungsbericht 2020 belegt: Unter den Bundesländern hat der Norden in der Ganztagsversorgung die zweitgrößte Angebotslücke. „Der Rechtsanspruch auf die Grundschul-Betreuung kommt 2025. Das ist durch den Koalitionsvertrag der Groko seit mehr als zwei Jahren fest. Frau Prien ist drauf und dran, die Vorbereitung darauf zu verstolpern“, mahnt der Vorsitzende des Bundestags-Bildungsausschusses.

Im Nationalen Bildungsbericht, der alljährlich von Leibniz-Institut für Bildungsforschung und Bildungsinformation herausgegeben wird und für 2020 vor wenigen Tagen vorgestellt wurde, wird für den Norden für das Jahr 2025 von einer Bedarfsquote von 53 Prozent ausgegangen. „Das Angebot liegt in Schleswig-Holstein aber erst bei 31 Prozent“, berichtet Rossmann. „Da klafft eine Lücke von 26000 Plätzen, die sich nicht ohne Vorarbeit und längere Planung schließen lässt.“

Bundesseitig ist bereits klargestellt, dass man Länder und Kommunen mit der Finanzierung nicht allein lässt, macht der SPD-Mann deutlich. „Der Bund hat die bereits zugesagten zwei Milliarden Euro gerade erst um weitere anderthalb Milliarden aufgestockt und wird sich sicher darüber hinaus auch noch weiter für die Betreuung engagieren“, sagt Rossmann. Er geht davon aus, dass Berlin sich auch bei den Betriebskosten mit in die Pflicht nehmen lassen wird. Klar ist für den Bildungs-Fachmann aber auch, dass das Land mit dem Ausbau nicht erst anfangen kann, wenn alle Finanzierungsfragen im Detail geklärt sind. „Nichts tun und auf Berlin zeigen: Das ist der beste Weg, wie man sich zuhause einen ordentlichen Schlammassel organisiert“, warnt er. „In dieser Sache gibt es kein Nachsitzen. In fünf Jahren muss das Angebot stehen!“

Gerade Eltern aus dem Hamburger Umland warteten zu Recht auf mehr Tempo beim Ganztagsausbau, berichtet der Kreis Pinneberger Abgeordnete. „Sie haben den Vergleich zu den vorbildlichen Verhältnissen ein paar Kilometer weiter hinter der Landesgrenze, wo mit einer aktuellen Betreuungsquote von 92 Prozent schon fast das erwartete Niveau von 95 Prozent im Jahr 2025 erreicht wird. Frau Prien sollte auch diese Stimmen ernst nehmen und für den Grundschulganztag endlich ‚volle Kraft voraus‘ geben“, fordert Rossmann