Erinnern muss auch lokal sein

SPD-Gesprächsrunde zur Erinnerungskultur 75 Jahre nach Krieg und Faschismus

Diskutierten über Gedenken und Erinnerungskultur: KJR-Chef Mats Hansen, Uta Körby, Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Schleswig-Holstein und SPD-MdB Ernst Dieter Rossmann.

„Wer die Jugend für die Auseinandersetzung mit Krieg und Faschismus gewinnen will, muss die Erinnerung im Großen mit der aktiven Auseinandersetzung mit lokaler Geschichte und örtlicher Betroffenheit verbinden.“ Hierin waren sich Uta Körby, die Vorsitzende der Landesarbeitsgemeinschaft Gedenkstätten und Erinnerungsorte in Schleswig-Holstein, und Mats Hansen, Vorsitzender des Kreisjugendringes Pinneberg und SPD-Stadtverordneter in Elmshorn einig in ihren Ausführungen beim Elmshorner Wasserturm-Gespräch des Kreis Pinneberger SPD-Bundestagsabgeordneten Ernst Dieter Rossmann. Uta Körby konnte für diese lokale Erinnerung eine bemerkenswerte Zahl von Beispielen auch aus der Region nennen, von der Unterstützung für die KZ-Außenstelle Kaltenkirchen über das Vorhaben Himmelmoor Quickborn in Erinnerung an die Zwangsarbeiter bis zu Schülerprojekten zur lokalen Forschung zum Nationalsozialismus und den vielfältigen Erinnerungsfeiern der Kommunen und der Schulen. Ernst Dieter Rossmann, Vorsitzender des Bildungsausschusses im Deutschen Bundestag, unterstützt in diesem Zusammenhang die Initiative aus den Bildungsministerien, dass es für alle Schülerinnen und Schüler einen Besuch in einer KZ-Gedenkstätte geben solle. Rossmann: „Was auch Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien hier einfordert, sollte von der gesamten Kultusminister-Konferenz unterstützt werden.“ Gerade die Vorbereitung und Nachbereitung eines solchen Besuchs oder anderer Formen der direkten Auseinandersetzung mit Krieg und Faschismus seien für die nachwachsende Generation sehr wichtig und böten viele pädagogische Möglichkeiten, stellten die Referenten heraus. Mats Hansen: „Die Diskussionen müssen bis in die Familien gehen, damit sich die verschiedenen Generationen mit diesen schwierigen und lange tabuisierten Fragen beschäftigen.“

Arno Freudenhammer vom Stadtarchiv Elmshorn machte deutlich, wie es im Laufe der Zeit immer schwerer würde, noch ins Gespräch mit Zeitzeugen und Menschen zu kommen, die selber Opfer von Naziterror und Kriegsereignissen gewesen sind. Das würde auch für die Nachkriegsjahre gelten, in denen es  quer durch alle Schichten der Bevölkerung und auch in den Parteien, Verwaltungen und Verbänden ein großes Tabu um die schuldhafte Beteiligung am Nationalsozialismus gegeben habe. Ernst Dieter Rossmann plädiert nachdrücklich dafür, auch die Jahrzehnte der Verdrängung und Verschleierung in die Erinnerungskultur mit einzubeziehen. Rossmann: „Auch im Kreis Pinneberg gibt es hier hervorragende Aktivitäten an Schulen, z.B. mit der langjährigen Spurensuche durch Schülerprojekte am Ludwig-Meyn-Gymnasium in Uetersen, die sprichwörtlich Schule machen müssen.“ Uta Körby von der Erinnerungsstätte Kaltenkirchen in Springhirsch zeigte hierzu auch weitere konkrete Möglichkeiten auf, die jetzt durch Ausstellungs- und Seminarräume direkt vor Ort gegeben sind.  Dass die Politik auf Bundes-und Landesebene die Erinnerungsstätten mit deutlich mehr Geld vor dem Verfall bewahren und im Gegenteil noch weiter zugänglich und erlebbar machen will, wurde von den Gästen der SPD-Veranstaltung in Elmshorn ausdrücklich und einhellig begrüßt.

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