Es gibt bessere Vorbilder für junge Soldaten!

Wegen Todesurteilen gegen Helgoländer Widerständler: Rossmann (SPD) kritisiert Ehrung für späteren Flottenchef Rolf Johannesson

„Admiral Rolf Johannesson war für die Todesurteile gegen fünf Mitglieder der Helgoländer Widerstandsgruppe gegen die Nazis und ihre schnelle Vollstreckung verantwortlich. Dieser Mann darf nicht als Vorbild für Angehörige der heutigen Marine dargestellt werden.“ Das fordert der Kreis Pinneberger SPD-Bundestagsabgeordnete. In einem Brief an Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer hat er sich jetzt dafür eingesetzt, insbesondere die Marine-Offizier-Vereinigung (MOV) zu veranlassen, ihren „Admiral-Johannesson-Preis“ für hervorragende Jahrgangabsolventen umzubenennen. „Es gibt wahrlich bessere Vorbilder für junge Soldaten.“

Seit 2017 ist bekannt, dass der spätere Oberkommandierende der Flotte der Bundesmarine Rolf Johannesson als damaliger Seekommandant Elbe-Weser verantwortlich für die schnelle Aburteilung und Erschießung der Helgoländer Widerstandkämpfer war. „Es handelte sich bei diesen Nazi-Opfern um Mitglieder einer – nicht erfolgreichen – Widerstandsgruppe in der Gemeinde, die noch in den letzten Tagen des Krieges und der NS-Herrschaft als alt eingesessene Helgoländer Bürger wie auch auf der Insel damals stationierte Soldaten unter höchstem persönlichem Risiko versucht hatten, die Insel kampflos dem englischen Militär zu übergeben und damit die Zerstörung der Insel und Schlimmeres für viele Menschen zu verhindern“, berichtet Rossmann. Johannesson war der Gerichtsherr der militärischen Schnellverfahren, in denen die Männer abgeurteilt wurden. „In diesen Verfahren waren weder eine Verteidigung noch auch nur eine Nacht zwischen Verkündung und Vollstreckung des Urteils vorgesehen. Auch eine Intervention eines Geistlichen für etwas Aufschub wurde abgewiesen“, macht der Abgeordnete deutlich. Die Widerständler wurden am 21. April in Cuxhaven-Sahlenburg erschossen.

Über seine Beteiligung an der Aburteilung und Erschießung der Widerstandskämpfer von Helgoland hat Johannesson in der Folgezeit stets geschwiegen, obwohl er sich in seinem autobiografischen Werk „Offizier in kritischer Zeit“ ausführlich mit dem Marine-Dienst unter den Nazis auseinandersetzt. Seiner eigenen Darlegung zufolge ist Johannesson bereits seit 1938 auf innere Distanz zu den Nazis gegangen. Rossmann: „In der Bundesmarine gilt Johannesson – auch aufgrund dieser Erzählung – jahrzehntelang als Vorbild. Für mich ist das im Lichte der verschwiegenen Beteiligung an den schlimmen Urteilen aber nicht mehr haltbar. Dass an der Marineschule Mürwik jährlich der beste Lehrgangsteilnehmer des Offizierslehrgangs Truppendienst den Admiral-Johannesson-Preis der Marine-Offizier-Vereinigung (MOV) bekommt, halte ich für vollkommen unangemessen.“ Namensgeber für den Preis könne zum Beispiel der NS-Gegner Alfred Kranzfelder sein, der als Korvettenkapitän im Oberkommando der Kriegsmarine als Widerstandskämpfer und Beteiligter am Attentat des 20. Juli zum Tode verurteilt wurde und am 10. August 1944 in Berlin hingerichtet wurde, regt der SPD-Politiker an.

Insbesondere für die Helgoländerinnen und Helgoländer könne es nicht verständlich sein, wenn der Verantwortliche für das unmenschliche Urteil gegen die NS-Opfer von der Insel, derer vor wenigen Wochen am Ort ihrer Erschießung gedacht wurde, weiter als Vorbild behandelt werde, macht der Parlamentarier deutlich. „Ich finde es sehr bedauerlich, dass die Causa Johannesson in diesem Jahr zum 75. Jahrestag des Kriegsendes und der Befreiung von der Nazi-Herrschaft einen Schatten auf die Traditionsarbeit der Marine wirft“, sagt Rossmann. „Es ist höchste Zeit, die Ehrung von Rolf Johannesson zu beenden.“

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